Sprache
English
Dansk
Deutsch
Español
Français
Italiano
Nederlands
Suomi
Svenska
lawinensicherheitsgrundlagen

Freeriden, Freeskiing und Touren werden immer beliebter und immer mehr Menschen wagen einen Ausflug ins Backcountry, um unberührte Tiefschneehänge und die totale Freiheit zu erreichen. Und wir verstehen dieses Feeling! Nichts geht über die Ruhe der Berge und den Spaß mit Freunden an einem sonnigen Tag auf der Suche nach frischem Powder. Aber, ja, du hast es erraten, es gibt ein Aber.

Wenn du im Backcountry unterwegs bist, besteht immer die Gefahr von Lawinen und ein lustiger Tag kann schnell nach hinten losgehen, wenn du nicht vorsichtig bist. Das Risiko besteht immer, egal ob du dich mitten im Nirgendwo befindest, Hunderte von Kilometern vom nächsten Dorf entfernt oder in einem Resort außerhalb der markierten und kontrollierten Pisten bist. In diesem Artikel werden wir dir daher die Grundlagen der Lawinenkunde erklären. Vom Minimieren von Risiken bis hin zum richtigen Einsatz deiner Lawinensicherheitsausrüstung, hier bist du richtig. Also, los geht’s!

how to stay safe in the backcountry

Lawinensicherheitsgrundlagen

Lawinentheorie

Wo und warum treten Lawinen auf?

Bevor wir richtig anfangen, ein kurzer Haftungsausschluss. Wir möchten dich keinesfalls belehren oder vor diesem Sport abschrecken. Wir möchten vor allem, dass du dir der Risiken des Backcountry Ridings bewusst bist, dass du weißt, wie wie du dort sicher unterwegs bist und dass du dich im Vorhinein über Lawinen informierst. Unser Guide macht dich auf keinen Fall zu einem Lawinenexperten oder ersetzt die Notwendigkeit, an einem Lawinenkurs teilzunehmen, über den wir später noch sprechen werden!

Also, was sind Lawinen eigentlich? Lawinen gibt es in allen Formen und Größen, aber im Kern sind es große Schneemassen, die sich mit hoher Geschwindigkeit den Hang hinunter bewegen. Lawinenrisiko besteht immer dann, wenn die Steilheit des Abhangs mindestens 25 Grad oder mehr beträgt. Es ist erwähnenswert, dass selbst wenn ein Hang oder ein Berg dir klein vorkommt, die horizontale Länge der Lawine das Dreifache der Höhe des Berges ausmachen kann!

Lawinen und Lawinensicherheit sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Im Durchschnitt werden in Europa jedes Jahr 100 Menschen durch Lawinen getötet. Studien zeigen, dass Erschöpfung oder Erstickung die Haupttodesursache sind. Auf der anderen Seite haben Opfer eine hohe Überlebenschance, wenn sie innerhalb der ersten 15 Minuten nach der Verschüttung ausgegraben werden. Deshalb ist es wichtig, Lawinensicherheitsausrüstung zu besitzen. Noch wichtiger ist es aber zu wissen, wie man sie benutzt und wie man im Ernstfall schnell handeln kann. Jede Sekunde zählt!

avalanche theory

Es gibt 5 Haupttypen von Lawinen: Schneebrettlawinen, Lockerschneelawinen, Wechten, Gleitschneelawinen und Nassschneelawinen.

  • Schneebrettlawinen verursachen fast 99% der Lawinenunfälle. Eine Schneebrettlawine wird ausgelöst, wenn eine der Schichten unter der Schneedecke zusammenbricht. Sie kann entweder spontan ausgelöst werden (das Gewicht des Schnees selbst bei Schneefall oder warmen Temperaturen) oder von Menschen verursacht werden. Denke daran, dass die Geschwindigkeit einer Schneebrettlawine zwischen 50 und 200 km/h liegen kann!
  • Lockerschneelawinen treten auf, wenn sich die gesamte Schneedecke vom Untergrund löst und über den Boden gleitet.
  • Wechten werden vom Wind erzeugt und sind auf den ersten Blick super lustige natürliche Kicker, können aber beim Abbrechen Lawinen verursachen.
  • Gleitschneelawinen beginnen an einer Stelle, an der eine lockere und ungebundene Schneeschicht beim Rutschen immer mehr Schnee sammelt.
  • Eine Nassschneelawine wird durch das in der Schneedecke angesammelte Wasser freigesetzt und der starke matschige Schnee kann sogar Felsbrocken auf dem Weg nach unten mitnehmen.

Steilheit und Identifizierung von Lawinengelände

Wie erkennt man Lawinengelände? Der größte Indikator für Lawinengelände ist der Winkel oder Grad der Neigung. Wie bereits erwähnt, treten Lawinen auf, wenn die Hangneigung mindestens 25 beträgt.

Normalerweise werden die meisten Lawinen bei einer Hangneigung zwischen 30 und 45 Grad ausgelöst. Und Lawinen, die am häufigsten von Skifahrern und Snowboardern verursacht werden, treten zwischen 36 und 39 Grad auf. Das Lawinenrisiko verringert sich, wenn der Winkel 55 Grad oder steiler ist, aber seien wir ehrlich, das macht schon nicht einmal mehr Spaß zu fahren. Der effizienteste Weg, um das Lawinenrisiko zu verringern, besteht deshalb darin, sich an Hängen unter 25 Grad Steigung aufzuhalten. Denke jedoch daran, dass selbst in einem flacheren Gelände Lawinen über dir auftreten können oder dass du eine Lawine auslösen kannst, wenn du auf einem Plateau stehst, das mit dem steileren Teil verbunden ist. Behalte das Gelände über dir und um dich herum im Auge!

Steepness and identifying avalanche terrain

Neben der Steilheit ist die Exposition (oder die Richtung, in die der Hang zeigt) einer der wichtigsten Faktoren, die Lawinen beeinflussen. Denn die Exposition des Hanges beeinflusst seine Temperatur. Beispielsweise kann die Temperatur an Südhängen im Laufe des Tages unterschiedlich sein: Die Sonne erwärmt den Schnee tagsüber, er gefriert über Nacht und bildet so die neue Schneedecke. Steile Südhänge haben an sonnigen und warmen Nachmittagen ein erhöhtes Lawinenrisiko und sollten deshalb vermieden werden. Die Exposition des Hangs hilft dir zu verstehen, wie sich der Winde auf ihn ausgewirkt hat und ob sich durch die Winde während des Schneefalls gefährlich viel Schnee auf Hang gesammelt hat.

Es gibt nützliche Tools, mit denen du die Lawinengefahr bewerten kannst und die dich bei deiner Routenplanung unterstützen. Schaue dir dazu am besten die ATES (Avalanche Terrain Exposure Scale) an, lies mehr und lerne, wie man sie richtig liest.

Red flags

Wir haben die häufigsten Warnsignale gesammelt, die jeder Freerider kennen sollte, bevor er sich ins Backcountry begibt. Red Flags können als Warnsignale für Risiken verstanden werden und sind die Art, mit der uns die Natur über die mögliche Gefahr einer Lawine informiert. Denn manchmal ist es besser, umzukehren oder zu Hause zu bleiben!

  • Große Wetteränderungen wie Regen oder starker Schneefall, starker Wind und schnelle Temperaturänderungen wirken sich auf die Schneedecke aus und können sie instabil und anfällig für Lawinen machen. Berücksichtige dies bei der Planung deines Freeride-Tages und sei äußerst vorsichtig!
  • Wind und Schneeansammlungen. Starke Winde, insbesondere bei Schneefall, führen zu Schneeansammlungen an geschützten Orten und erzeugen gefährliche Schneebretter, die sich leicht lösen.
  • Frische Lawinen sind eines der deutlichsten Warnsignale. Wenn du von einer Lawine in dem Gebiet erfährst, in das du fahren möchtest, ändere deine Pläne. Wenn du bereits auf dem Weg dorthin bist und eine Lawine entdeckst, die kürzlich abgegangen ist, ist es besser, umzukehren oder eine Alternative zu finden!
  • Geländefallen sind Stellen im Gelände, die sich als gefährlich erweisen können, wenn eine Lawine zuschlägt. Zum Beispiel kann ein Cliffdrop an einem normalen Tag Spaß machen, wenn dich aber eine Lawine von dem Felsen herunterschiebt, können die Dinge schnell anders aussehen.
  • Wummgeräusche. Denke beim Aufstieg daran, deine Umgebung regelmäßig zu beobachten. Wenn du hohle Geräusche bzw. Wummgeräusche hörst, bedeutet dies, dass die Schneedecke unter dir und deinen Freunden zusammenbrechen könnte.
  • Risse entstehen (normalerweise werden sie von hohlen Geräuschen begleitet), wenn die Schneedecke zusammenbricht und sie können beim Auslösen einer Lawine bis zu Hunderte von Metern lang werden.
  • Gletscherspalten. Wenn du auf Gletschern fahren möchtest, achte auf Gletscherspalten. Gletscherspalten sind tiefe Risse im Eis und die tiefsten sind bis zu 30 Meter tief. Sie sind möglicherweise aufgrund der leichten Schneeschicht für das Auge nicht sichtbar, aber du möchtest sicher nicht hinein fallen! Überprüfe das Gebiet auf Geländefallen und identifiziere Klippen und mögliche Spalten auf deiner Route und vermeide diese.
red flags

Lawinenvorhersage

Eines der wichtigsten Werkzeuge für jeden Freerider ist die Lawinenvorhersage. Lawinenvorhersagen können in der Regel für jede Region separat gefunden werden und werden von den jeweiligen Fachleuten in der Region erstellt. Die Vorhersagen ändern sich täglich (aber nicht in allen Bereichen!), genau wie Wettervorhersagen. Aber worüber informiert dich die Lawinenvorhersage?

  • Die Gefahrenbewertung zwischen 1 und 5
  • Gefahrenmuster, zum Beispiel Schneeansammlungen durch Wind oder Nassschneelawinen
  • Andere Merkmale und Probleme, die du im Auge behalten solltest

Die 5 Stufen geben Aufschluss über die Gefahrenstufe, aber auch über die Wahrscheinlichkeit einer Lawine. Außerdem geben sie einen Hinweis auf ihre mögliche Größe. Man findet auch einige Richtlinien für Skitouren im freien Gelände. Schauen wir uns die Stufen genauer an:

avalanche forecast
Photo credit: avalanche.ca

1 – Gering: Lawinen sind nicht wahrscheinlich. Wenn Lawinen vorkommen, dann sind es kleine Lawinen an bestimmten Orten und in extremem Gelände. Die Bedingungen sind grundsätzlich sicher, das Risiko kann allerdings trotzdem vorhanden sein.

2 – Mäßig: Erhöhtes Lawinenrisiko in bestimmtem Gelände. Beobachte Schnee und Gelände genau, beachte die Risikobereiche und meide sie.

3 – Erheblich: Gefährliche Bedingungen, Schnee und Gelände sollten genau beobachtet werden, du solltest bei der Auswahl und Planung deiner Route äußerst vorsichtig sein.

4 – Groß: Sehr kritische Lawinensituation. Das Fahren in oder in der Nähe von Lawinengebieten werden nicht empfohlen.

5 – Sehr groß: Extrem große Lawinenlawinengefahr mit spontanen Abgängen. Vermeide jegliches Lawinengelände, bleibe zu Hause!

Auf der North American Avalanche Public Danger Scale siehst du außerdem die Bewertung „No Rating“, was bedeutet, dass für das Gebiet keine Prognose verfügbar ist. In diesen Fällen musst du dein eigener Experte sein und die Risiken äußerst sorgfältig analysieren, um einen unterhaltsamen und sicheren Tag im Gelände zu verbringen. Denke neben der Lawinenvorhersage daran, die Wettervorhersage, die Winde, die Steilheit des Hanges sowie die gängigen Warnsignale im Auge zu behalten!

Risikominimierung

Auch wenn die Risiken nicht vollständig eliminiert werden können, kannst du sie trotzdem minimieren und deinen Tag in den Bergen noch mehr genießen. Hier haben wir einige nützliche Tipps zusammengestellt, die du berücksichtigen solltest!

how to minimise risks

Der beste Weg, um Risiken zu minimieren besteht darin, Lawinengelände zu vermeiden und in Gebieten und an Hängen von weniger als 25 Grad Neigung zu bleiben. Eine nützliche und wirklich coole App, die dabei hilft, ist Fatmap. Du kannst damit die Berge in 3D sehen (was an sich schon ziemlich cool ist!), sie zeigt dir die Steigungsgrade der Hänge und hilft bei der Planung deiner Route.

Überprüfe bei der Planung deiner Tour die Wettervorhersage, die Lawinenvorhersage und identifiziere mögliche Geländefallen in der Umgebung. Gehe niemals alleine ins Backcountry und stelle sicher, dass du und deine Crew über die erforderlichen Kenntnisse und Ausrüstung verfügt. Sicherheit ist ein gemeinsames Ziel!

Wähle immer den ungefährlichsten Weg nach oben, auch wenn dieser länger als die steilere Option ist. Der Grund dafür ist, dass du mit Tourenski oder Schneeschuhen relativ langsam bist und dich nicht so schnell von Lawinen entfernen kannst wie beim Abfahren.

Denkt beim Aufstieg und bei der Abfahrt daran, nacheinander zufahren und einen Sicherheitsabstand zwischen den Abfahrten einzuhalten. Auf diese Weise ist das Risiko einer Mehrfachverschüttung geringer, ebenso wie die Belastung auf der Schneedecke. Behaltet einander im Auge und haltet nur an sicheren Orten an.

Wenn sich die Bedingungen plötzlich ändern oder ungünstig werden, falls ihr ein Wummgeräusch wahrnehmt, ihr Risse oder Lawinen seht, ist dies ein klares Zeichen, um umzukehren. Es ist besser, sicher zu bleiben, um viele weitere Tage im Schnee verbringen zu können!

Es ist auch immer in Ordnung zu sagen: „Hey Leute, ich fühle mich damit nicht wohl“ und die Situation neu anzusprechen. Am Ende des Tages, im Mittelpunkt jedes Abenteuers, geht es um Teamwork und das absolute Vertrauen in diejenigen, mit denen man unterwegs sein möchte. Vertraue also deinem Bauch, vertraue deinem Wissen und wenn sich etwas falsch anfühlt, drehe um, gehe zum Après und versuche es ein anderes Mal wieder.

Lawinensicherheitsausrüstung

Okay, lass uns über Ausrüstung reden! Für Ausrüstungs-Nerds wie uns ist dies der spannendste, aber auch der wichtigste Teil, da du mit diesen Tools jemandem das Leben retten könntest und vice-versa dir jemand das Leben retten könnte. Wenn du abseits der Piste fahren möchtest, müssen du und deine Freunde die richtige Ausrüstung haben. Die wichtigsten Dinge sind ein LVS Gerät (in deutschsprachigen Kreisen gerne auch als Pieps bezeichnet), eine robuste Schaufel, eine Sonde, ein Erste-Hilfe-Set und natürlich ein Helm. Eine optionale, aber sehr empfehlenswerte Ergänzung ist außerdem der Lawinenrucksack. Denke jedoch daran, dass es nicht ausreicht, die Ausrüstung einfach nur zu besitzen. Du musst auch wissen, wie du sie am effizientesten einsetzt. Lass uns deshalb kurz durchgehen, was du brauchst und was du beim Kauf berücksichtigen solltest!

Avalanche-Safety-Gear

Die Grundausstattung für einen Tag im Backcountry sind ein LVS Gerät, eine Schaufel, eine Sonde und ein Lawinenrucksack, die wir alle im folgenden Teil des Artikels genauer ansehen werden. Darüber hinaus gibt es noch ein paar zusätzliche Dinge, die ebenfalls hilfreich sein können.

Als erstes, ein Erste-Hilfe-Set. Es gibt viele verschiedene Kits auf dem Markt. Stelle sicher, dass dein Kit mindestens elastische Bandagen, eine wärmereflektierende Rettungsdecke, Pflaster, antiseptische Tücher, Schere und ein Tape enthält.

Auch das RECCO-System ist eine gute Ergänzung für deine Ausrüstung. Normalerweise ist ein kleiner Reflektor ist an deinem Helm, deiner Kleidung oder deinen Boots angebracht. Dieser kleine Reflektor gibt (nur!) ein Signal ab, wenn die Bergrettung versuchen, dich mit dem gleichen System zu finden. Nicht alle Bergrettungen arbeiten mit RECCO, also denke daran, dass es niemals dein LVS Gerät ersetzt!

Wenn du dich auf einen Tag im Backcountry vorbereitest, solltest du auch ein Handy, eine Karte, einen Kompass, warme Kleidung, genügend Wasser und natürlich Snacks in deinem Rucksack haben!

LVS Gerät

Ein Lawinenverschüttetensuchgerät (kurz: LVS) wird zum Senden und Empfangen von Signalen verwendet. Mit diesem kleinen und handlichen Gerät kannst du eine verschüttete Person finden oder du kannst gefunden werden. Wähle beim Kauf eines LVS ein Gerät mit drei Antennen und der Möglichkeit, Signale von mehreren LVS Geräten zu finden. LVS Geräte mit drei Antennen sind im Suchmodus außerdem genauer. Das LVS sollte unter der äußeren Schicht deiner Kleidung platziert und mit dem dafür vorgesehenen Gurt befestigt werden, um es an Ort und Stelle zu halten. Handys können LVS Geräte ablenken. Stelle daher sicher, dass dein Handy mindestens 50 cm von deinem LVS Gerät entfernt ist!

Avalanche-Transceiver

Sonde

Die Sonde ist eine leichte, metallische und zusammenklappbare Stange, die nach der Suche mit dem LVS Gerät verwendet wird, um den genauen Ort der verschütteten Person zu ermitteln. Sie sollte mindestens 2 Meter lang sein und einen Stahldraht im Inneren haben. Sonden mit einem Seil im Inneren sind nicht so langlebig und können während des Gebrauchs aufgeben. Stelle außerdem sicher, dass sie in deinen Rucksack passt!

Schaufel

Eine Schaufel braucht keine ausgefallenen Einführungen und so ziemlich jeder von uns hat schon einmal eine in seinem Leben benutzt. Aber eine Lawinenschaufel hat ein paar spezifische Eigenschaften. Eine gute Lawinenschaufel ist robust, aus Metall gefertigt und zusammenklappbar, um sicherzustellen, dass sie leicht in deinen Rucksack passt. 

Snow-Shovel

Lawinenrucksack

Zusätzlich zur grundlegenden Lawinensicherheitsausrüstung verbessert der Lawinenrucksack deine Überlebenschancen bei einer Lawine erheblich. Aber wie funktioniert er? Wenn du in eine Lawine gerätst, ziehst du am dafür vorgesehenen Griff deines Rucksacks. Ein großer, mit Luft gefüllter Airbag wird ausgelöst, um dich so an der Oberfläche der Lawine zu halten. Heutzutage gibt es viele Optionen zur Auswahl, von der Airbaggröße bis zur verwendeten Technologie. Früher war die einzige verfügbare Option ein Rucksack mit Einwegpatronen aus Gas, heute werden coole neue Technologien eingesetzt. Die neuesten Rucksäcke werden mit wiederaufladbaren Batterien betrieben und können mit einer Ladung bis zu viermal verwendet werden! Diese neue Technologie ersetzt die Einweg-Gaskartuschen und macht den Einsatz eines Lawinenrucksacks deutlich einfacher. Denke aber daran, dass auch ein Lawinenrucksack die Standard Sicherheitsausrüstung, die wir oben aufgeführt haben, nicht ersetzt.

avalanche backpack

Verwendung der Lawinensicherheitsausrüstung

Lass uns zwei Szenarien durchgehen, in denen du deine Lawinensicherheitsausrüstung benötigst und was zu tun ist, wenn du oder eine andere Person in eine Lawine geraten.

Wenn du in eine Lawine gerätst, versuche zuerst, zur Seite zu fahren, den Airbag auszulösen, alles unnötige (z. B. Stöcke) loszulassen und dich mit Schwimmbewegungen an der Oberfläche zu halten oder Bäume, Felsen oder etwas anderes Stabiles zu greifen. Wenn die Lawine langsam stehen bleibt, versuche die Arme und Hände so vor deinen Mund und Gesicht zu halten, dass eine Luftkammer zum Atmen unter dem Schneebrett entstehen kann. Dadurch bekommst du mehr Luft zum Atmen, während du auf die Retter wartest.

Wenn du siehst, dass jemand anderes in eine Lawine gerät, bleibe ruhig, versuche, dem Opfer mit deinen Augen zu folgen, und markiere im Kopf die Stelle, an der das Opfer unter dem Schnee verschwindet. Rufe die örtliche Notrufnummer an und starte die Rettungskette. Stelle zuerst sicher, dass alle LVS Geräte in den Suchmodus wechseln, teilt euch dann gleichmäßig auf und bewegt euch parallel, aber beachtet die möglichen Nachlawinen! Wenn das LVS euch in die Nähe des Opfers führt, versucht bei der Grobsuche die kleinste Ziffer am LVS Display zu finden und dann beginnt mit der Feinsuche. Wenn ihr die begrabene Person mit der Sonde gefunden habt, ist es Zeit, mit dem Schaufeln zu beginnen. Schaufelt abwechselnd, um effizient zu bleiben und versucht, den Mund und das Gesicht des Opfers zuerst freizulegen, um ihm das Atmen zu erleichtern. Wenn ihr die Person ausgegraben habt, überprüft, ob eine Wiederbelebung oder weitere Maßnahmen nötig sind.

How to use my avalanche safety equipment

Wir können es nicht genug betonen: üben, üben, üben! In diesen Situationen zählt jede Sekunde. Übe mit deinen Freunde, wie du deine Lawinenausrüstung verwendest und wie ihr im Ernstfall am effizientesten handelt!

Nimm an einem Lawinensicherheitskurs teil!

Die Teilnahme an einem Lawinensicherheitskurs ist eines der besten Dinge, die du als Freerider tun kannst, um deine Sicherheit zu steigern. Nahezu jedes Land verfügt über ein eigenes Lawinensicherheitskurssystem. In der Schweiz gibt es beispielsweise das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung, in den USA AIARE (Amerikanisches Institut für Lawinenforschung und -erziehung), in Schweden SVELAV und so weiter.

Das Lawinensicherheitskurssystem kann grob in sechs verschiedene Kurse unterteilt werden, Level 1 und Level 2 richten sich hauptsächlich an Freizeitfahrer. Der Kurs der Stufe 1 vermittelt das Wissen, Lawinengelände zu erkennen und zu vermeiden, sichere Routen zu planen, Lawinenvorhersagen zu lesen, Risiken zu minimieren und zu lernen, wie man in einer Rettungssituation handelt und wie man mit Lawinenausrüstung umgeht. Level 2 bietet noch mehr Wissen, um während dem Touren in den Bergen sicher zu bleiben. Sei jedoch vorbereitet: Lawinenkurse können mehrere Hundert Euro kosten, aber wenn du ein begeisterter Freerider bist, ist ein solcher Kurs jeden Cent wert!

Übe mit deinen Freunden!

Wenn du jemanden in deiner Gruppe hast, der etwas erfahrener ist, macht es immer Spaß, mit Freunden zu üben. Nimm dir einen Rucksack, begrabe ihn neben einem Rastplatz, teilt euch in Teams auf und versucht, den vergrabenen Rucksack und das LVS Gerät zu orten, zu suchen und auszugraben. Es hilft dir nicht nur, dich bei der Suche und Rettung wohl zu fühlen, sondern ein solches Training baut auch Vertrauen und Teamwork mit deinen Freunden auf.

Häufige Mythen

Common myths

Lass uns zu guter Letzt einige verbreitete Mythen und Fehler aufdecken, die du vielleicht schon oft gehört hast.

Es gibt bereits Spuren von anderen im Hang, es muss sicher sein!

Das ist falsch! Jemandem zu folgen hat sich als einer der häufigsten Gründe für Lawinenunfälle erwiesen. Nur weil jemand vorher dort gefahren ist, ist es nicht sicher!

Lawinen treten nicht in Wäldern auf.

Viele scheinen zu glauben, dass Wälder sichere Orte sind, aber um absolut sicher zu sein, müsste er so dicht sein, dass Skifahren dort nicht möglich wäre. Denke daran, dass selbst wenn eine Lawine nicht in einem Wald beginnt, der Wald von einer Lawine getroffen werden könnte, die weiter darüber ausgelöst wurde.

Ich bin schon einmal hier gefahren, es ist sicher.

Die Lawinenbedingungen ändern sich täglich und ein Hang, der gestern sicher war, könnte heute gefährlich sein!

Das sieht für eine Lawine nicht steil genug aus.

Ein Satz, den wir schon zu oft gehört haben! Wie bereits erwähnt, können Lawinen an Hängen steiler als 25 Grad auftreten, auch wenn sie möglicherweise nicht steil aussehen.

Die Lawinengefahrenbewertung befindet sich auf Stufe 1, es besteht kein Risiko.

Das Risiko gibt es trotzdem! Auch wenn das Gefahrenniveau niedriger ist, musst du alle Risiken analysieren und berücksichtigen. Lawinen können nämlich trotzdem ausgelöst werden.

Wrapping up

wrapping up

Und das ist ein Wrap! Hoffentlich hast du von uns viele nützliche Informationen erhalten, um in den Bergen sicher unterwegs zu sein. Bilde dich weiter, hole dir die passende Ausrüstung, nimm an einem Lawinensicherheitskurs teil und genieße das Backcountry mit deinen Freunden! Bleib in Sicherheit und wir sehen uns draußen!

Ähnliche Artikel: